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"Überprüfe dich laufend selbst, praktizierst du Dharma oder spielst du Drama ?"
- Seine Heiligkeit, der 12. Gyalwang Drukpa -

Zurück aus Maratika

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Plouray Sangha

 

12. Februar 2009

Vor ein paar Stunden erst kam ich nach einer sehr fruchtbaren Wanderpilgerschaft aus Maratika zurück. Es gab im Wesentlichen zwei Gründe, die mich dazu brachten, diese Wanderpilgerreise spontan zu organisieren. Erstens wollte ich dies   für das lange Leben aller erleuchteten Meister, vor allem meiner eigenen Gurus und meiner Eltern tun. Zweitens hatten alle meine 200 Nonnen in Druk Amitabha Mountain gerade ihr 8 Monate  Retreat und eine Prüfung hinter sich, die sie sehr gut meisterten. Deshalb entschied ich mich, sie zur Wanderpilgerreise mitzunehmen. Wir brauchten 3 Tage um hin zu laufen, 3 Tage dort zu bleiben und weitere 3 Tage zu Fuß zurück.

Viele Leute waren nicht damit einverstanden, dass ich auf eine Wallfahrt zu Fuß nach Maratika gehen sollte, sie sagten mir, "du hast Atembeschwerden, deine Füße werden leiden, bitte gehe nicht zu Fuß, nimm einen Hubschrauber." All diese meine Probleme sind den Leuten wohl bekannt.

Bergab zu gehen war nicht so schwierig, aber bergauf war sehr schwierig, vor allem wenn der Pfad sehr steil war. Ich denke, ich habe zu viel gegessen und zu wenig trainiert, daher hatte ich Atemnot. Dennoch fühlte ich mich so glücklich, dass alle die über 200 Leute eine so glückliche Zeit miteinander verbrachten, Mantras sangen, hinauf und hinuntergingen, Essen und Trinken von den Einheimischen am Weg kauften, und es an alle verteilten. Wir hatten wirklich so viel Spaß, unsere Dinge auszutauschen und Essen und Trinken an alle zu verteilen. Ich konnte nicht glauben, dass selbst in einer so abgelegenen Gegend fast alles verfügbar war, wenn wir es brauchten.

Als wir müde waren, gab es jemanden, der Wasser verkaufen würde, also war Wasser ständig da. Manchmal bekamen wir das Wasser umsonst, manchmal bezahlten wir sehr wenig. Jeder bestand darauf, zu spendieren und alle wechselten sich mit dem Spendieren ab. Wir alle wollten Essen, Wasser und alles spendieren, nur um die anderen glücklich und zufrieden zu machen. Als ich das sah, fühlte ich mich so warm und gerührt durch das Gefühl der harmonischen Einheit mit dem echten Gefühl der Liebe.

Lustig war, dass immer, wenn etwas verteilt wurde, ich immer der erste war, der es bekam. Manchmal bekam ich zu viel. Ihr könnt euch gerade vorstellen, wenn jeder der 200 Leute mir etwas gab, wie viel ich dann letztendlich hatte. Und ich wollte sie nicht zurückweisen, da ich sie nicht enttäuschen wollte. Daher musste ich viele Dinge tragen und wusste nicht mehr, was ich machen sollte. Erst viel später kam ich auf eine sehr gute Methode. Ich behielt die Dinge, die sie mir gaben, eine oder zwei Stunden lang als Beweis, dass ich ihre Liebe zu mir akzeptierte, dann gab ich sie ihnen zurück, was sie auch sehr glücklich machte. Leider entdeckte ich diese Methode etwas zu spät. Aber für nächstes Mal weiß ich, dass ich diesen Trick anwenden kann.

Da ich wirklich Atembeschwerden hatte und beim Gehen eine Menge hechelte, baten mich alle Nonnen ernsthaft, nach Kathmandu im Hubschrauber zurück zu fliegen. Aber ich lehnte dies ab. Ich sagte ihnen, "ich möchte die Wanderpilgerschaft sehr erfolgreich zu Ende bringen, so, dass ich zufrieden und erfüllt bin, es getan zu haben. Wenn ich jetzt weggehe, würdet ihr euch auf dem Heimweg sehr verloren fühlen, es ist immerhin ein 3-Tages Marsch." Außerdem wäre es keine gute Idee, dass die Leute mit Geld zurückfliegen könnten und die Leute, die es sich nicht leisten können, zurück laufen müssen. Dieser Eindruck könnte entstehen, und das wäre im Endeffekt für alle sehr entmutigend. Geld sollte keine Rolle spielen. Wir machten den Marsch nicht, weil wir kein Geld hatten, sondern weil wir Verdienst und Weisheit ansammeln mussten. Nicht nur das, wir mussten auch Harmonie üben, uns selbst zu bescheiden und mit der Mutter Erde verbunden zu werden.

Auf der Erde zu wandern hilft uns, eine echte Beziehung mit der Natur aufzubauen, zumindest mit der Natur der Mutter Erde. Dies ist das Prinzip des Buddhadharma, so kommst du näher an die Natur heran. Es bedeutet nicht, dass du immer zu Fuß gehen musst und auf andere Transportmittel verzichten solltest. Manchmal muss man diese Art Ausflug machen, um Erfahrungen zu sammeln.

Aus samsarischer Sicht wirst du nicht nur eine Mischung verschiedener Abenteuer erleben, sondern auch spirituelle Nutzen ziehen, wie das tiefe erfahrene Wissen durch das Wandern auf der Erde, das Bergbesteigen und durch die Freude an den Naturszenen, ohne viel mittels unseres intellektuellen Wissens denken oder analysieren zu müssen. In der Natur zu sein, wie auf einen Berg steigen, den Geräuschen eines Wasserfalls zu lauschen, frische Luft zu bekommen und sich mit den liebenden Freunden gegenseitig anzulächeln, ich denke, das ist ein großartiger Teil des Lebens.

Ohne Bildung, ohne Bücher, Bücher und Bücher, ohne irgend etwas derartigem, kannst du fast das gesamte Erfahrungswissen haben, indem du in Kontakt mit der Natur bleibst. Und dies haben wir gerade während der letzten 9 Tage erlebt. 

Als wir dort in Maratika waren, machten wir ausgiebige Langlebensgebete und praktizierten 3 Tage lang mit Ganachakra und Lampen Opfern. Das Highlight für meine Nonnen war, meine Höhle zu sehen, in der ich 8 Monate blieb, als ich in Maratika etwa ein Jahr lang vor vielen Jahren praktizierte. Ich brachte sie dahin, aber ich konnte dieses Mal nicht klettern, da ich zu träge war. Daher sagte ich zu ihnen: "Nun, ich habe euch bis hierher gebracht, nun liegt es an euch, zu klettern oder nicht." Und sie kletterten eine nach der anderen hinauf und es dauerte ein und ein halb Tage lang. Wer hinauf gegangen war, wollte nicht mehr herunter kommen. Ich musste sie immer beim Namen rufen und sie bitten, herunter zu kommen. Ich musste mich wiederholen: "Wir haben keine Zeit, kommt herunter und gebt anderen eine Chance."

Maratika CaveDie Höhle war an der Seite einer sehr steilen Klippe, ich musste mich hängend von der Bergspitze herablassen, um in die Höhle zu kommen. Aber es war ein phantastischer Ort für ein Einzelretreat. Ich musste nur alle drei Tage einmal essen und den Rest der Zeit verbrachte ich mit Praxis und Meditation. Es war so ein gutes Leben!

Viele meiner Schüler, Nonnen und andere Leute kamen mit Augen voller Tränen zu mir, nachdem sie meine Höhle besucht hatten. Sie kamen zum Fuß der Höhle herunter, warfen sich zu Boden und weinten, ohne ein Wort zu sagen. Ich weiß noch immer nicht, warum. Ich war glücklich, dass Ngawang Dechen, mein Bediensteter meines früheren Lebens und jetzt 77 Jahre alt, es auch zu meiner Höhle geschafft hat.

Ich erzählte meinen 200 Schülern, Nonnen und Freunden meine Geschichte von der Höhle. An diesem Ort hatte ich die beste Praxis gemacht. In dieser Höhle spielte ich das erste und letzte Mal mit 2 Mäusen. Sie waren sehr ungezogen, sie aßen oft meine Tormas, für deren Erschaffung ich so viel Zeit brauchte. Sie bissen und irritierten mich gewaltig. Dann fand ich Seidenpapier, das ich immer dazu benutzte, die Mäuse zu necken, bis sie meine Freunde waren, die mir oft Gesellschaft leisteten und mit mir spielten. Nach einer Weile gewöhnten sich so sehr an mich. Ich erinnere mich, dass ich am Ende meines 8 monatigen Retreats sehr traurig war, sie dort in der Höhle zurück zu lassen und ich weiss auch durch die Art, wie sie mich anschauten, dass auch sie sehr traurig waren, dass ich wegging. Ich hätte sie gerne mit mir nach Hause genommen, aber sie wären nicht daran gewöhnt gewesen, dort zu bleiben, daher ließ ich sie in der Höhle zurück.

Einmal während meines Retreats in dieser Höhle kam eine riesige Echse in mein Gesicht und ging wieder, seither schlief ich nicht mehr bei Nacht. Äußerlich war es eine Echse, innerlich oder geheim denke ich immer noch, dass es eine Manifestation eines Bodhisattvas war, der kam um mir zu sagen, dass ich keinerlei Zeit vergeuden sollte. Vor diesem Ereignis schlief ich ungefähr 10 Stunden am Tag.

Wie auch immer, ich hatte eine sehr gute Zeit fast 8 Monate lang und dann blieb ich an einem anderen Ort, um weitere 3 Monate zu praktizieren. Alles zusammen verbrachte ich fast ein Jahr in Maratika.

Da alle Nonnen ein sehr liebevolles Herz in hingebungsvoller Art hatten, auf diese heiligen Orte zuzugehen, hatte ich eine gute Zeit.

Matarika ist der heilge Ort, an dem Guru Rinpoche und Mandarava gemeinsam die Langlebenspraxis übten und Erleuchtung erlangten. Dies nennt man Chimed Rigzin. Chimed bedeutet Unsterblichkeit und Rigzin bedeutet Bewusstseinshalter, also Bewusstseinshalter der Unsterblichkeit. Es gibt dort eine selbstentstandene Vase der Unsterblichkeit, die aussieht wie die, die Buddha Amitayus in seinen Händen hält, die man sehr deutlich in der Höhle von Maritika sehen kann. 

Ich war zu müde, um irgendwohin zu gehen. Ich campierte nur da unten. Wenn ich mich selbst anschaue, so war ich wie ein Großvater, der da sitzt und all seine Enkel anleitet, da und dort hin zu gehen und diesem oder jenem Ort Ehre zu erweisen, dies und jenes zu tun. Ich hab nicht einmal den Hintern vom Boden gehoben. Ich fühlte mich auch sehr verlegen, aber ich war zu müde, um mich irgend wohin zu bewegen. Außer zu meiner Höhle zu gehen und sie den Nonnen zu zeigen, habe ich körperlich sehr wenig getan.

Geistig versuchte ich natürlich, alles zu tun, sprachlich rezitierte ich nonstop, ohne Pause Langlebenspraxis, aber nach außen hin war ich wie ein fettes Mutterschwein.

Durch Devotion, reines Herz und Liebe war diese Tour kurz, aber intensiv. Sie wird zweifellos allen Wesen enormen Nutzen bringen, vor allem jenen alten Gurus, deren langes Leben wir wünschen, einschließlich meinen Gurus und meinem Vater und all den gutherzigen freundlichen Wesen in dieser Welt, die die Aktivitäten unterstützen, dass alle gute menschliche Wesen würden. Ich denke, dass dieser Wunsch erfüllt wird.

Nicht, dass ich eine Menge guter Omen extern gesehen hätte, aber innerlich fühlte ich etwas ganz besonderes, das ich nicht in Worte fassen möchte. Da habe ich nicht viel zu sagen.

Also erlangte Guru Rinpoche unsterbliche Erleuchtung aufgrund seiner eigenen Weisheit und der Devotion von Mandarava. Wenn also Devotion und Weisheit sich treffen, wird Erleuchtung gewährt. Wer immer als Guru und Schüler nach Maratika kommt, sie brauchen Devotion und Weisheit, die harmonisch zusammenarbeiten. Nicht nur in diesem Fall, sondern wo immer du auf Pilgerschaft gehst.

Während der Pilgerschaft hielten wir uns geistig alle sehr komfortabel, sodass wir auf natürliche Weise von Problemen verschont wurden. Es gab Probleme, aber wir flogen nur so über sie hinweg, sodass wir von keinem Problem verletzt oder gestört wurden. Wir waren problemlos. Erfahrungsgemäß wird man immer zumindest für einige Jahre , oder für immer, gute Erinnerungen an die Pilgerreise haben. Ein paar Jahre lang werden wir uns an den Früchten in unserem spirituellen Magen erfreuen, wie Glück, Entzücken, sich Wohlfühlen, Zufriedenheit, voller Anerkennung etc. Vor einigen Jahren nahm ich z.B. 300 Leute auf eine Wanderpilgerschaft und heute noch kann ich das Lächeln in ihren Herzen sehen. Und dies ist nicht etwas, was ich nur sage, vermute oder mir einbilde, es ist wirklich so. Diese Art Erfahrung kann sogar dein normales samsarisches Leben in ein goldenes Leben verwandeln, was auch immer für Probleme da sein mögen, es ist nicht theoretisch, sondern praktisch wahr.

Nun bin ich zurück in dieser Welt mit Computern und Technologie. Ich denke, diese Dinge leicht zu nehmen, als Teil meines Lebens. Vor ein paar Stunden noch war ich im hohen Geist der Spiritualität ohne Handy, Laptops und Satelliten. Aber es gab auch keine Hoffnung, dass Handys dort funktionierten. Aber witzig ist, dass man oben auf dem Berg von Maratika Leute ihr Handy benutzen sehen kann. Ich wusste nicht, worüber sie redeten, vielleicht gaben sie auch nur vor, zu reden und benutzten Kinderspielzeug Telefone. Ab und zu sah ich manchmal so etwas, aber machte mir nichts daraus nachzuschauen. Ich stand über Mobiltelefonen und all diesen modernen Technologien, und das war auch gut so.

Aber jetzt bin ich wieder richtig mit modernen Technologien konfrontiert und ich denke, das ist auch eine gute Lehre. Das Leben braucht die Seite der Spiritualität und auch die materielle Seite. Beides kann ein voll entwickeltes Leben ausmachen, wenn man weiß, wie man diese Dinge bewerten muss. Falls nicht, dann kann eines der beiden Seiten Leiden hervorrufen. Nicht nur die materielle Welt, sondern auch das spirituelle Leben lässt dich leiden, wenn du nicht weißt, wie damit umzugehen. 

Nun, es wird schon sehr spät, ich habe keine Fotos zu zeigen, aber ich denke, ich kann das morgen tun, wenn ich die Bilder von Jigme Zangmo bekomme.

Tschüss für jetzt, gute Nacht. 

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UPDATE 11.08.2010: Seine Heiligkeit geht selbst ins Katastrophengebiet um zu helfen. Er bittet uns alle nochmals, großzügig zu spenden. Die Situation spitzt sich zu. Ein PDF zur Situation in Ladakh kann hier runter geladen werden.

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